Hof in Frankreich

Neben unserer Kräutermanufaktur in Brandenburg mit Anbauflächen für die Wilde Karde ist zu Beginn des Jahres noch ein weiterer Standort dazu gekommen – unser Bio-Hof im französischen Traversères. Was uns dorthin bewegt hat, wie es uns in Frankreich gefällt und welche Vision wir für unseren Hof dort haben, berichten wir in diesem Beitrag.

Wie es dazu kam

Seit Anfang 2020 bewirtschaften wir zusätzlich einen Bio-Hof in Frankreich. Bis dahin haben wir unsere Pflanzen ausschließlich auf den Höfen von befreundeten Bauern in der Region Brandenburg angebaut. Das ist irgendwann nicht nur an Kapazitätsgrenzen gestoßen, sondern hat auch immer wieder zu allerlei Umständlichkeiten geführt.

Vor allem, dass wir nicht direkt an unseren Anbauflächen leben konnten, stellte eine große Herausforderung für uns dar. Unser Wunsch auf dem Land, das wir bewirtschaften auch leben zu können, wurde immer größer.

Mit dem Hof in Frankreich konnten wir diesen Traum für uns erfüllen. Auf sechs Hektar biologischem Ackerland haben wir für uns und unsere Kräuter in der hügeligen Landschaft der Midi-Pyrenäen ein weiteres Zuhause gefunden. Auch mediterrane Pflanzen können wir dort zukünftig mit unserem Team anbauen und hüten.

Warum Frankreich?

Es gibt gleich mehrere Gründe, weshalb wir uns für ein Domizil im Südwesten Frankreichs entschieden haben:

Die Landschaft der historischen Provinz Gascogne bietet eine hohe Artenvielfalt, die auch das Wachstum unserer Pflanzen begünstigt. Die Anbaukultur der Region, in der wir dort leben, ist bereits sehr fortschrittlich und biologisch orientiert.

Wir haben einen Bio-zertifizierten Hof mit ausreichend Anbaufläche gefunden, der genau unseren Vorstellungen entspricht. Da er in den letzten Jahren kaum bewirtschaftet wurde, ist der Boden quicklebendig und es wimmelt nur so von Mikroorganismen und Bodenlebewesen. Auf Dauer möchten wir den Hof Demeter zertifizieren lassen und einen biodynamischen Anbau schaffen.

Die Midi-Pyrenäen in Frankreich haben ein optimales Klima mit längeren Ernteperioden als in Brandenburg. Hier können wir frei in Alleinlage in der Natur leben und arbeiten. Fernab von anderen Höfen brauchen wir uns keine Gedanken über Pestizide von benachbarten Äckern zu machen.

Die schöne Atmosphäre und nette Nachbarschaft von Gleichgesinnten gefällt uns wirklich gut. Obwohl es noch jede Menge Arbeit gibt, fühlen wir uns bereits sehr wohl in unserem neuen Zuhause.

Boden und Bewirtschaftung

Wir scheuen keine Mühen, um den Boden unserer Anbauflächen so gesund und natürlich wie möglich zu gestalten. Heilung kommt aus gesunder Erde. Das ist einer unserer Leitgedanken bei Kasimir + Lieselotte. In der Umsetzung sieht das so aus:

Aussaat in Handarbeit

Unsere Ackerflächen werden per Hand bewirtschaftet. Dadurch wird die Verdichtung des Bodens unterhalb der Bearbeitungsebene vermieden und auch sonst gibt es einige entscheidende Vorteile für Mensch und Natur.

Die Wildkräuter bleiben auf dem Acker und werden weitestgehend in den Böden belassen. Sie liefern für den Humus einen natürlichen Schutz vor Wind- und Regenerosion für den Humus. Das geht natürlich nur soweit, wie sie das Wachstum unserer Kulturpflanzen nicht massiv beeinträchtigen. Dennoch ist es immer ein Versuch wert.

Wir verzichten auf Kunstdünger oder Pestizide und bewirtschaften unsere Anbauflächen so natürlich wie möglich. Seit geraumer Zeit experimentieren wir mit verschieden Methoden, die den Boden unterstützen und regenerieren. Dabei liegen uns die Prinzipien der Permakultur, Terra Preta und die Verwendung von effektiven Mikroorganismen (EM) besonders am Herzen.

Das ist zwar alles ein Anfang, wird aber alleine nicht ausreichen, um unsere Böden dauerhaft zu retten. Wir brauchen ein gemeinsames und radikales Umdenken der konventionellen Landwirtschaft. Bodenschonende und regenerative Maßnahmen müssen noch viel mehr Beachtung finden.

Herausforderungen

Trotz eines kleinen Sees auf dem Hof haben wir keinen eignen Wasserzufluss und sehr lehmigen Boden mit einem hohen Kalkgehalt. Das bedeutet, dass der Boden vor allem im Sommer stark austrocknet und wir entsprechend viel gießen müssen. Wir sind guter Dinge, dass wir auch dafür eine nachhaltige Lösung finden werden.

Tierische Mitbewohner

Die natürliche Produktion von organischem Dünger für unsere Pflanzen und die Unterstützung beim Pflügen und Lasten tragen sind ein weiterer Vorteil von eigener Tierhaltung.

Mal ganz abgesehen davon lieben wir Tiere genauso wie Pflanzen. Deshalb haben wir uns den Hof von Anfang an mit tierischen Mitbewohnern geteilt. Eine Schafherde mit uralten Schafen sind die ältesten Bewohner auf dem Hof. Dazu gesellen sich unsere Ziegen, die mit uns umgezogen sind, Hunde, Katzen und rund 20 Hühner.

Für die Zukunft wünschen wir uns noch ein paar Pferde, mit denen wir unseren Acker pflügen können. Wir haben schon hilfsbereite Nachbarn und eine Pferdepension vor Ort gefunden, die uns dabei unterstützen wollen.

Das will hier wachsen

Was hier noch so wachsen möchte, finden wir gerade heraus. Ysop, Ashwagandha und Baldrian haben wir schon versuchsweise angepflanzt. Auch Gojibeeren und Zistrosen wohnen im Folientunnel. Wir sind gespannt, was dabei raus kommt.

Wildpflanzen

Um den Hof sind eine Menge Wildpflanzen zu finden. Brennnesseln, Weißdorn, Gänseblümchen, Zitronenmelisse und Holunder wachsen und gedeihen um den Hof in natürlicher Fülle. Nicht zu vergessen die Karden und Mariendisteln, die schon lange vor uns an diesem Fleckchen Erde ihre Heimat gefunden haben.

Artemisia annua

Unsere Artemisia annua wächst und gedeiht besonders gut in Frankreich. Das Saatgut aus den Pflanzen von unserem Acker in Brandenburg hat in Frankreich zwei herrliche Artemisia-annua-Felder wachsen lassen. Im Oktober konnten wir die erste Ernteperiode in Frankreich abschließen. Auch Saatgut für das nächste Jahr konnten wir aus den Blüten gewinnen.

Die Vision

Unsere Vision für diesen Hof ist Menschen zusammen zu bringen und gemeinsam für den Erhalt unserer Erde aktiv sein. Auf Dauer soll hier ein Ausbildungsbetrieb für nachhaltigen Anbau, Gärtnerei und Landwirtschaft entstehen. Alle Menschen, die im Einklang mit der Natur leben und Arbeiten möchten, sollen sich hier zuhause fühlen.

Gemeinsam für die Erde aktiv

Neben Ausbildungen und Wissensvermittlung sollen auch Netzwerke für Partnerschaften und Kooperationen entstehen. Ebenfalls wollen wir kleine Permakulturgärten auf unserm Hof anlegen, die uns und unseren Gästen feinste Selbstversorgung ermöglichen.

Unser Hof in Frankreich darf ein Rückzugsort zur Erholung für unsere Kunden, Mitarbeiter und Familie werden. Jeder ist willkommen aktiv mitzuwirken oder auch einfach nur eine persönliche Auszeit zu nehmen.

Impressionen von unserem Hof